Sonntag, 28. August 2016

Krankenstand

Thema von gestern?

Wir haben laut DAK Gesundheitsreport mit 4,1% den höchsten Krankenstand seit 20 Jahren. Doch es regt sich offensichtlich niemand mehr darüber auf. Allenfalls der deutliche Anstieg der psychsichen Erkrankungen ist den Medien noch eine Schlagzeile wert. Auch wenn dieser Wert sich nur auf die bei der DAK Versicherten bezieht, ist die Gelassenheit doch berechtigt. Bei den anderen Kassen dürfte der Krankenstand kaum nennenswert abweichen und sich ebenfalls auf "relativ niedrigem Niveau", wie es im Report heißt, befinden.
Dennoch tun die Unternehmen gut daran, zumindest in bestimmten Zeitabständen auf die hausinterne Fehlzeitenquote zu schauen. Die kann ja durchaus von dem Durchschnittswert abweichen. Auch wenn ich keine Freund des Kennzahlenfetischismus bin, die Fehlzeiten sollte man im Auge behalten. Dabei bringt es nicht viel, eine Gesamtquote für das Unternehmen zu ermitteln. Zumindest sollte nach größeren Einheiten differenziert werden. In diesem Punkt kann man beispielsweise nicht Produktions- mit reinen Büroeinheiten zusammenfassen. Wenn man eine Quote über 4% feststellt sollte man auch keinen Ehrgeiz entwickeln, die nun krampfhaft auf mindestens 3,9 zu drücken - und das vielleicht noch den Führungskräften in die Zielvereinbarung zu schreiben. Wenn man sich in diesem unproblematischen Bereich befindet muss man auch nicht sklavisch jeden Monat die Fehlzeitenquote ermitteln. Man wird dabei feststellen, dass es einen typischen Jahresverlauf gibt, im Winter höher, im Sommer eher niedrig. Sollte man allerdings feststellen, dass es Bereiche gibt, in denen die Fehlzeiten über 6 - 7% gehen, dann sollte man schon mal genauer hinsehen. Handelt es sich vielleicht um Langzeitkranke, die den Schnitt hochziehen, oder ist es in diesen Abteilungen eher ein längerfristiges Phänomen? Dann sollte man aber differenziert zu Werke gehen und sich nicht mit oberflächlichen "Küchenanalysen" zufrieden geben. Empfehlenswert ist es dann, mit der Krankenkasse, die im Unternehmen am häufigsten vertreten ist, einen Gesundheitsreport erstellen zu lassen. Dieser zeigt bis auf Kostenstellenebene die Häufigkeit der Erkrankungen - anonymisiert natürlich. Auf dieser Basis kann man dann fundiert interpretieren, unterstützt durch die Fachleute, die den Report erstellt haben. Daraus lassen sich dann Massnahmen ableiten.
Der Krankenstand muss also in der Tat kein Aufreger sein - aus den Augen verlieren sollte man ihn aber trotzdem nicht.

Donnerstag, 25. August 2016

Wie finden Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt?

Nur mit intensiver Betreuung

Ich unterstütze einen jugendlichen Flüchtling, der im Juli seinen Hauptschulabschluss gemacht hat und bereits ganz passabel Deutsch spricht, bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle.
Beispielhaft nur ein Steinchen, das auf diesem schwierigen Weg dem jungen Mann im Weg liegt: die Freischaltung des Benutzerkontos bei der Arbeitsagentur. Nachdem er auf einer Informationsveranstaltung bei der Arbeitsagentur war, erhielt er dazu im Abstand von wenigen Tagen zwei gleichlautende Schreiben. In dem einen war allerdings sein Name falsch geschrieben. Ratlos brachte er mir die Schriftstücke. Da er im Moment auch nicht über einen Internetzugang verfügt, habe ich versucht das Benutzerkonto frei zu schalten. Das ließ sich auch ganz gut an. Nachdem ich den elfseitigen (!) Nutzungsbedingungen und der vierseitigen Datenschutzerklärung zugestimmt hatte (diese werden wohl auch von deutschen Muttersprachlern kaum gelesen, geschweige denn von Menschen mit Migrationshintergrund), ging es an die Eingabe einer PIN. Keine der in den beiden Schreiben mitgeteilten PIN's wurde akzeptiert. Also Anruf bei der Servicenummer. Dort erfahre ich, dass ich Name und Kennwort nicht selbst hätte eintragen können. Der junge Mann hat dazu allerdings nie eine Mitteilung erhalten. Die Dame am Telefon war freundlich und hilfsbereit und hat ein neues Schreiben mit gültiger PIN angekündigt.
Es gibt viele freundliche und engagierte Menschen in öffentlichen Institutionen, die Flüchtlingen auch unvoreingenommen gegenübertreten. Sie verwalten aber oft bürokratische Vorgänge, mit denen selbst ein im Altagsdeutsch einigermaßen bewanderter Zeitgenosse schwer zurechtkommt. Wenn dann noch Fehler im Prozeß auftauchen, ist ein solcher "Antragsteller" völlig aufgeschmissen. Dann sitzt er zu Hause ratlos vor einem Formular oder seinem Internetzugang - sofern er denn einen hat -
und kommt nicht weiter.
Arbeitsmarkthürden sind nicht nur fehlende Stellen sondern auch bürokratische Prozesse. Es wäre interessant zu wissen, wieviel Arbeitsverhältnisse allein dadurch nicht zustande kommen. Es kann nicht sein, dass pro Flüchtling ein Begleiter nötig ist, um ihm Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu verschaffen. Integration würde sich wesentlich erleichtern, wenn Bürokratie abgebaut würde.

Sonntag, 21. August 2016

Teambuilding

Überschätzte Methoden

Warum soll eigentlich eine EDV-Abteilung oder eine Entgeltabrechnung oder eine Produktionsplanung ein Team werden? Wenn sie die jeweiligen Leiter fragen, was sie sich unter einem Team vorstellen, werden sie wahrscheinlich drei ebenso unterschiedliche wie unpräzise Antworten bekommen. Wenn sie die drei aber fragen, ob sie an einer teambildenden Maßnahme für ihre Einheiten interessierte wären, würden sie mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit mindestens zwei zustimmende Antworten bekommen. Ob Klettergarten oder Rafting, Segeln oder einwöchiges Überleben auf einer einsamen Berghütte ohne zivilistorische Annehmlichkeiten, das Angebot an Events mit zusammengehörigkeitsfördernder Zielsetzung ist fast unübersehbar.

Sonntag, 7. August 2016

Eltern von heute - Weicheier?

Ketzerische Gedanken eines Altvorderen

Laut einer Umfrage des AOK Bundesvebandes unter 1000 Müttern und Vätern fühlen sich 47% von diesen wegen Zeitmangels gestresst. Damit liegt dieser Grund an der Spitze der Belastunsfaktoren und hat auch im Vergleich zu dem Wert vom letzten Jahr wieder leicht zugelegt.
In meinem Umfeld erlebe ich immer wieder junge Eltern mit kleinen Kindern, die gemeinsam die zweimonatige Elternzeit nutzen, um Welt- oder zumindest Europareisen zu machen. Es soll mittlerweile spezielle Reiseveranstalter geben, die diesen "Markt" bearbeiten. Unweigerlich muss ich als Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder an die eigene vergleichbare Lebensphase denken.

Dienstag, 2. August 2016

Sind sie im Urlaub auch erreichbar?

Es ist doch ein tolles Gefühl, wenn in der mittäglichen Ruhe am Hotelpool ihr Handy summt, irgendeiner aus dem Büro will etwas von ihnen und sie können dezent, aber trotzdem vernehmlich den Umliegenden vermitteln, was für ein toller Mensch sie sind.
Wer im Urlaub sein Handy mit an den Pool/Strand nimmt, der will auch, dass er angerufen wird. Für den gehört es mit zum Status mit gespielt gequälter Miene dienstliche Anrufe entgegenzunehmen. "Ich werde gebraucht, auch im Urlaub geht es nicht ganz ohne mich". Dabei ist das schiere Einbildung.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Firmen fördern Schlaf

Stellen sie sich vor, ihr Arbeitgeber händigt ihnen eines dieser Self-Tracking-Geräte aus und bittet sie, damit ihr Schlafverhalten aufzuzeichnen und ihm mitzuteilen. Wenn sie kontinuierlich eine bestimmte Stundenzahl an Schlaf - nachts versteht sich - nachweisen, bekommen sie eine Prämie. Was auf den ersten Blick wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, wird offensichtlich in den USA von verschiedenen Firmen schon praktiziert.

Dienstag, 26. Juli 2016

Üben sie Macht aus?

Nein! - Zumindest soweit es sie als Führungskraft betrifft.

Mit dem Machtbegriff wird heutzutage ziemlich locker und unpräzise umgegangen. Wie oft liest und hört man, dass Politiker und Manager Macht ausüben. Doch tun sie das wirklich? Was versteht man eigentlich unter Macht? Die, die das Wort benutzen, halten es für unnötig, sich darüber Gedanken zu machen. Doch gerade, wenn es um Führung geht, kann es helfen sich mit dem Begriff auseinanderzusetzen. Zunächst wäre es dann notwendig, eine Definition zu finden.
Für mich immer noch die klarste und damit brauchbarste, wenn auch sperrig formuliert, ist die von Altmeister Max Weber.